Sieben Punkte für eine mitreißende Geschichte

Okay, dass die meisten guten Geschichten aus drei Teilen bestehen, wissen wir so langsam.

Einführung, Mittelteil mit Höhepunkt und Ende.

Aber wie soll mir das helfen meine Geschichte zu planen?

Dass ich ein Anfang, eine Mitte und ein Ende brauche, ist keine höhere Quantenphysik und so hilfreich wie ein Rentierpulli im Hochsommer.

Zum Glück gibt es aber detailliertere Modelle, die viel stärker in die Tiefe geben. Dadurch bekommst du gute Hinweise, an denen du dich bei der Planung entlanghangeln kannst.

 

Ein Modell ist der 7-Punkte-Plan

 

  1. Finde das große Ziel deines Protagonisten

 

Nimm dir ein bisschen Zeit, um deinen Protagonisten kennenzulernen. Wie verhält er sich in welcher Situation. Ist er eher schüchtern oder ein Draufgänger? Was macht er, wenn er einen Raum voller Leute betritt? Würde er für eine Wette etwas klauen? Wie verhält er sich, wenn er unrechtes Verhalten beobachtet? Wie geht er mit peinlichen Situationen um? Wovor hat er Angst?

Was ist seine größte Leidenschaft?

 

Früher oder später wirst du herausfinden, was er unbedingt will. Darum geht es in deiner Geschichte. Und das große Ziel darf nicht etwas Lapidares sein wie

„Ich will heute unbedingt noch Spaghetti-Eis essen gehen.“

Nein.

Das ging höchstens wenn Spaghetti-Eis das höchstwichtige Überlebens-Elixier einer bisher unbekannten Menschheitsform ist.

Du siehst, worauf ich hinaus will: Wenn die Hauptfigur nicht das bekommt, was sie unbedingt will, muss es schlimmste Konsequenzen haben. Entweder nimmt sie selber oder eine nahestehende Person großen Schaden (sei es physisch oder psychisch) oder aber sogar das Überleben der gesamten Menschheit steht auf dem Spiel.

An dieser Stelle solltest du dir auch Gedanken über die Stärken und Schwächen deiner Charaktere machen. Denn diese stehen nicht einfach in einem luftleeren Raum, sondern sind Bestandteil deiner Geschichte. Rate nämlich mal, was dein Protagonist machen muss, wenn er oder sie panische Angst vor Spinnen hat?

Genau.

Es wird auf jeden Fall eine super ekelige Spinnen-Szene geben, in der er sich seinen Ängsten stellen muss. Falls du Fantasy schreibst, kann diese auch gerne ganz Aragok-mäßig sei. Wenn nicht, sei beruhigt, für Menschen mit Spinnenphobie reicht der Anblick einer pflaumengroßen Kellerspinne, um komplett auszurasten. Insbesondere, wenn es im Keller ist und kurz danach die Tür zu und das Licht aus geht.

 

  1. Mach es problematisch.

Der Weg wird steinig …

Jetzt, wo du weißt, was der Protagonist unbedingt will, sorgst du dafür, dass er es erstmal nicht bekommt. Der Weg zum Ziel muss extrem steinig und voller gefährlicher Schluchten und Hindernisse sein. Die müssen aber nicht immer so körperlich daherkommen, wie ich es gerade aufgezählt habe. Auch furchteinflößende dunkle Magier mit Superkräften sind gar nicht unbedingt nötig. Sie sorgen natürlich im richtigen Genre im richtigen Moment für immense Spannung, aber man kann ja auch realistische Romane mit enormer Spannung schreiben.

Das liegt daran, das ein Teil der Hindernisse, die das Erreichen des großen Ziels auch innerhalb der Figur liegen sollten. Es sind die inneren Konflikte, die der Hauptcharakter zusätzliche zu den äußeren noch überwinden muss.

Diese zwei Arten von Konflikten geben dir viel Spielraum. Beispielsweise könnte ein äußeres Hindernis gerade aus dem Weg geräumt worden sein, und die Frau und ihr Love Interest sind seit langer Zeit wieder in einem gemeinsamen Raum. Aber ist sie auch innerlich bereit, sich wieder auf ihn einzulassen, nachdem er ihr so viel Schmerz zugefügt hatte durch sein plötzliches Verschwinden?

Auf jeden Fall solltest du den großen Konflikt, um den es in deinem Manuskript geht, so früh wie möglich – am besten im ersten Kapitel – andeuten. Andernfalls werden die Leser sich immer wundern, um was es in diesem Buch vor ihrer Nase eigentlich geht.

 

  1. Plötzlich ist alles anders

Es muss in deinem Buch einen erkennbaren Moment geben, der alles verändert. Ab hier werden Dinge in Gang gesetzt und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Es kann der Moment sein, in dem das Schiff den Eisberg rammt. Es kann aber auch eine Situation sein, in der der Protagonist einfach beschließt: „So geht es nicht weiter.“

 

  1. Ein Unglück kommt selten allein.

Nachdem der Protagonist beschlossen hat, Dinge zu ändern (oder nachdem die äußeren Umstände ihn dazu zwingen) verschlimmert sich die Situation. Immer mehr.

Mach es deiner Figur schwer!

Es sollte mindestens drei dieser Versuch-Niederlage-Zyklen geben. Bestenfalls steigern sich die Niederlagen in ihrer Intensität und Schwierigkeit, sodass es jedes Mal schwieriger wird, sich von dieser Niederlage zu erholen. Sollte dein Protagonist in einer Situation erfolgreich sein, dann nur, um hinterher festzustellen, dass es ein vermeintlicher Erfolg war. Zweite Möglichkeit: Der Erfolg wirft neue Fragen oder Probleme bzw. noch größere Hindernisse auf. Der Erfolg sollte immer mit einem „Ja, aber …“ kommen.

 

Bsp. Thriller

 

  1. Der Entführer hat einfach keinen einzigen Fehler gemacht. Der Inspektor kann sein Glück kaum fassen, als er nach langem Suchen im Keller einen Fingerabdruck auf einer Glasscherbe entdeckt – dieser lässt sich aber niemanden in der Datenbank zuordnen.
  2. Nach langwierigen Ermittlungen durchschaut der Inspektor, dass seine Kollegin das Kind entführt hat. Mit erhobener Waffe geht er auf sie zu, um sie zu verhaften. Sie flieht zu Fuß, doch es gelingt ihm nicht, sie einzuholen, obwohl sie zum Greifen nah war. Er hat es aufgrund seiner emotionalen Beteiligung nicht geschafft, auf sie zu schießen, was ihn im Nachhinein zusätzlich zu schaffen macht neben seiner Ohnmacht sie einzuholen.
  3. Der Polizeichef hat angeordnet, die ehemalige Kollegin zu observieren. Doch als sich die Gelegenheit bietet, nimmt der Inspektor sie fest, um sein vorheriges Versagen wieder wettzumachen. Doch die ehemalige Kollegin weigert sich zu verraten, wo sie das Kind versteckt hält. Da sie all ihre Opfer in kleinen Holzkisten vergräbt, beginnt nun ein Wettlauf mit der Zeit gegen Leben und Tod.

 

 

Bsp. Liebesroman

 

  1. Frau hat eine katastrophale Beziehung beendet und möchte sie von der Liebe erstmal Abstand nehmen. Doch dann stößt sie im Supermarkt mit einem attraktiven Mann zusammen.
  2. Sie treffen sich und das erste Date verläuft grandios. Doch dann lädt sie ihn in ihre kleine Bäckerei ein und er verhält sich äußerst seltsam und verlässt fluchtartig das Gebäude. Frau ist traurig. Hat sie mal wieder dem falschen vertraut?
  3. Mann entschuldigt sich und sie verbringen ein paar schöne Wochen. Doch dann stellt sich heraus, dass er der Sohn des Großunternehmers ist, der die Systembäckerei von Gegenüber eröffnet. Frau ist am Boden zerstört.

 

  1. Der Aha-Moment

Die größte Schwäche wird der Hauptfigur klar oder sie wird von einem Nebencharakter darauf aufmerksam gemacht.

Dies geschieht in der Regel am Ende des Mittelteils, kurz vor dem großen Höhepunkt.

 

  1. Der Höhepunkt

Endlich wird der Höhepunkt der Geschichte erreicht.

Jetzt kommt er endlich. Der Höhepunkt. Die Lösung des Konflikts, der Kampf des Hauptcharakters um sein großes Ziel. Durch die Lektionen, die er im vorherigen Teil des Buches gemeistert hat, besiegt er seine Schwäche und gewinnt dadurch – mit einer letzten großen Anstrengung – den großen Kampf. An diesem Punkt steht alles unter Hochspannung: Die Ereignisse, die Gefühle, die Reaktionen. Die Seiten sollten nur do dahinfliegen, Jeder weiß, wenn es jetzt nicht klappt, dann klappt es niemals.

 

  1. Der Genuss des Erfolges

Der Protagonist hat gesiegt und sonnt sich in seinem Erfolg. Im Liebesroman wäre dies der Moment nach dem Kuss oder der großen körperlichen Vereinigung – quasi die Zigarette danach – um den Leser sanft aus dem Buch zu entlassen. Beim Thriller oder Krimi erhaschen wir noch einen kurzen Blick, wie das Leben der Hauptpersonen ohne den großen Übeltäter weitergeht.

Bei Serien oder mehrteiligen Romanen wäre jetzt ein günstiger Moment, um neue Fragen aufzuwerfen, die neugierig auf mehr machen.

 

 

 

 

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